Seeschlangen!

Katjenka berichtet:

Da saßen wir also nun auf der Sturmvogel von Kapitän Bacha und kreuzten vor der Ostküste Maraskans. An Bord gingen wir am 22. Rahja, die Tage des Namenlosen standen also kurz bevor.

Mich selbst interessiert das ja nicht so sehr, aber an Bord gab es dennoch den ein oder anderen, dem diese Tage ein gewisses Unbehagen bereiteten. Angeheuert hatte uns der erste Maat der Sturmvogel, Mabukan, der in Begleitung von Gotasch, einem hünenhaften mohischen Harpunier, eines Abends in unser Gasthaus in Mendena kam, um eine Mannschaft für den nächsten Haifang zu finden. Der zweite Maat der Sturmvogel hieß Depote, ein Efferdgeweihter und Heiler. Verköstigt wurden wir von Halda, der Schiffsköchin, die ihr Handwerk sehr gut beherrschte - ich freute mich jeden Tag auf die von ihr bereiteten Mahlzeiten. Allerdings sollten wir auf keinen Fall es wagen ihre Kombüse zu betreten, da war Halda sehr eigen.

Alles in allem waren die ersten 10 Tage auf der Sturmvogel recht beschaulich, vor allem der Anfang unserer Reise als wir noch nicht in den Fanggewässern kreuzten. Danach wurde es ein bisschen aufregender. An einem Tag trafen wir auf einen Schwarm fliegender Fische die geradewegs über unser Deck hinweg sprangen. Sofort kam der Befehl so viele Fische wie möglich zu fangen, ob mit den bloßen Händen oder einem sonstigen Hilfsmittel. Wir rannten also alle durcheinander an Deck umher und klatschten in die Hände um Fische zu fangen. Es war zwar anstrengend, aber auch sehr spaßig. Und geschmeckt haben diese Fische - einfach wunderbar. Vielleicht lag das bei mir aber nur daran, dass ich meine Abendessen seit vielen Jahren mal wieder selbst gefangen hatte.

Einige Tage später rief Falk wieder einmal von seinem Ausguck, dass er eine Gruppe kleinerer Haie entdeckt hat. Wir setzten sofort Segel, da vermutet wurde, dass an dieser Stelle auch bald ein großer Hai auftauchen würde. So war es dann auch. Die kleinen Boote mit den Harpunieren wurden zu Wasser gelassen und an uns übrigen lag es dann, das große Schiffe zu steuern und den kleinen Booten hinterher zu fahren. Da dies bereits der zweite Hai war, denn wir jagten, hatte wir schon ein bisschen Erfahrung darin und konnten auch genau beobachten, was auf dem Meer vor sich ging. Mein in Mendena erstandenes Fernrohr verbesserte unsere Sicht auf die Dinge zusätzlich. Sobald die Boote in Reichweite waren, wurden auch schon die Harpunen geschleudert. Alle vier trafen den Hai! Allerdings war der Hai dadurch noch lange nicht erledigt, er wehrte sich heftig und griff auch das Boote in dem Ynu Harpunier war mehrmals an. Als ich das sah, war ich einmal mehr froh darüber, nicht in einem dieser Boote sitzen zu müssen - Mokoscha sei Dank! Glücklicherweise konnten alle über Bord gegangenen Seeleute geborgen werden. Das Boot wurde jedoch stark ramponiert. Schließlich war es jedoch geschafft und der Hai war erlegt. An Bord der Sturmvogel kümmert wir uns dann darum, dass der Hai per Kran an Deck gehievt wurde. Sobald das geschafft war, wurde er auseinandergenommen und man macht sich an die Gewinnung des Trans.

Als Falk das nächste Mal etwas von seinem Ausguck sah und zu uns hinunterrief, verstand ich nicht sofort, was er rief. Die Überraschung und das Erstaunen in seiner Stimme nahm ich aber sofort war. Ich schaute nach oben und folgte mit meinen Augen dann auch leicht seinem ausgestreckten Arm. Und dann sah ich es. Ein Wunder, dass mir das nicht auch ohne Falks Hinweis aufgefallen ist: Da ragten zwei riesige Seeschlangen aus dem Wasser empor! Die Leiber waren miteinander verschlungen und sie wiegten sich in einem Rhythmus, den wohl nur sie selbst vernahmen. Noch hatten sich uns nicht bemerkt. Ja, wir sind zwar hier, um den Reißzahn einer Seeschlange zu erlangen, aber dafür müssen wir es doch nicht mit zwei dieser riesigen Meerestiere aufnehmen, oder etwa doch? Als ich noch wie gebannt auf dieses Schauspiel starte, entdeckten uns die beiden Seeschlangen und kam auch sofort auf uns zu. Zum Glück waren nicht alle an Bord von diesem Angriff so gelähmt wie ich. Ein Teil der Mannschaft hatte die Rotzen bemannt und schossen auch gleich auf diese Ungeheuer sobald sie in Reichweite kamen. Die Fernkämpfer unter uns taten es ihnen gleich. Das es aber zu lange dauerte, um die Rotzen ein weiteres Mal zu laden, bereiteten sich die Nichtfernkämpfer auf den Nahkampf vor.

Ich überlegte fieberhaft, was ich tun könnte, aber auf diese Reichweite hatte ich keinen Zauber. Ich wollte versuchen, eines der Viecher mit einem Favilludo in einen hypnotischen Wirbel zu ziehen, damit wir erstmal nur mit einer Schlange zu kämpfen hatten. Das Problem dabei war nur, dass die Seeschlange ziemlich nah an mir dran sein musste. Mittlerweile waren die Seeschlangen an der Sturmvogel angekommen. Die eine Seeschlange hatte Falk oben im Krähennest entdeckt und griff ihn an. Falk blieb wagemutig oben und feuerte einen Pfeil nach dem anderen auf das Biest. Ich wäre schon längst nach unten geklettert! Die andere Seeschlange stieß mit ihrem Kopf immer wieder auf das Deck zu um dort einen von uns zu erwischen. Da, jetzt war die Seeschlange in meiner Reichweite! Ich blinzelte kurz und energisch mit meinen Augen, murmelte dabei „Favilludo“ und der hypnotische Wirbel entstand direkt vor den Augen der Seeschlange. Ich spürte, dass dies einer meiner bisher besten Wirbel war! Aber was war das? Dieses Ungeheuer interessiert sich überhaupt nicht dafür und machte genauso weiter wie bisher. Verdammt, mit meiner üblichen Magie konnte ich hier nichts ausrichten!

Dann hörte ich etwas von oben und schaute auch direkt in diese Richtung. Falk fiel geradewegs vom Krähennest! Zum Glück wurde sein Fall durch die Wanten gebremst, so dass er nicht Galjans Schicksal teilen musste. Sofort bin ich zu ihm um zu sehen, ob ich im Helfen konnte, und Hilfe in Form von Heilung war auch angebracht. Ein „Balsam Salabunde“ ist durchaus ein guter Heilzauber, aber in der Hitze eines Gefechtes leider viel zu langwierig. Daher trank Falk den kürzlich erstandenen Heiltrank um sich dann anschließend wieder der Seeschlange zu widmen.

Als nächsten Zauber probierte ich es mit einem „Fulminictus Donnerkeil“, da dieser nicht durch Rüstungen aufgehalten werden konnte. Dies schien zu klappen. Eine der Seeschlangen erwischte den Hauptmast mit ihrer ganzen Kraft und riss ihn um. Schnell mussten die Seile, die am Mast hingen, gekappt werden, da wir sonst kentern würden. Puh, das war geschafft. Das Boot wurde aber nicht nur von oben attackiert, sondern auch unterhalb der Wasseroberfläche. Immer wieder war zu spüren, wie die Seeschlangen gegen den Rumpf der Sturmvogel schlugen und es auch schafften, ein Loch in die Bordwand zu reißen. Nach wie vor konzentrierten sich unsere Angriffe auf die bereits verwundete Seeschlange. Da drang ein Ruf von unter Deck an meine Ohren, dass Hilfe beim stopfen des Lochs benötigt werde. Da ich im Kampf gegen die Seeschlange nicht viel ausrichten konnte, beschloss ich beim Flicken zu helfen und ging unter Deck.

Irgendwann verstummte der Kampflärm und ich hörte Kapitän Bacha und Phileasson rufen: „Wendet das Boot, nichts wie weg!“ Im Nachhinein erfuhr ich, dass die stark verwundete Seeschlange kurz nachdem ich unter Deck ging wegschwamm, die andere Seeschlange aber weiterhin angriff. Als jedoch die Dämmerung aufzog, lies auch diese von der Sturmvogel ab.

Das Schiff war in einem schrecklichen Zustand: der Hauptmast fehlte, unter Deck gab es ein notdürftig geflicktes leck und zwei der vier Boote für den Haifang mussten ebenfalls repariert werden. An die Haijagd war nicht mehr zu denken. Uns blieb nichts anders übrig, als den nächsten Hafen anzusteuern: Boran, die letzte freie Stadt auf Maraskan - aus Sicht der Maraskaner.

Am Abend des zweiten Praios kamen wir in Boran an. Tags zuvor feierte ich noch an Bord ein bisschen meinen 23. Geburtstag, in einer hiesigen Kneipe ging das aber dann besser. Wir wussten nicht, wie es von hieraus weitergeht, schließlich hatten wir keinen Grund zu warten bis die Sturmvogel wieder repariert ist. Wir ließen uns also ausbezahlen und überlegten, was wir nun tun sollten. Schon bald waren wir in Boran als die Verrückten bekannt, die mit Seeschlangen gekämpft hatten um einen ihrer Reißzähne zu erbeuten.